Wasserturm-Geschichte

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Zur Neueröffnung des Wasserturmes am 28. September 2002 - seine Geschichte

Zusammengestellt von
Museum "Im Mühlentor" Grimmen
18507 Grimmen
Tel.:(038326) 2261

Am 30. Juni 1933 wurde der Magistrat der Stadt Grimmen durch die Stadtverordneten ermächtigt, zum Bau einer Wasserleitung einschließlich eines Wasserwerkes, eine Anleihe bis 200.000 Reichsmark aufzunehmen. Das Darlehn wurde bei der Deutschen Rentenbankkreditanstalt in Berlin ausgehandelt, und am 7. August des Jahres begannen die Arbeiten. Insgesamt wurden ca. 120 Arbeiter beschäftigt. Für die Wassergewinnung entstanden drei Kiesschüttungsbrunnen von je 17 Meter Tiefe im Westen vor der Stadt. Unmittelbar daneben errichtete man das elektrisch betriebene Pumpwerk mit einer Enteisungsanlage. Im Osten der Stadt wurde durch die Firma Walter Höflinger aus Grimmen der Wasserturm gebaut. Ein Wasserbehälter, der 150 m³ Wasser aufnehmen konnte, wurde direkt unter dem Dach des Turmes aufgestellt. So sollte zu Spitzenzeiten der Wasserverbrauch ausgeglichen und für einen gleich bleibenden Wasserdruck im Rohrnetz gesorgt werden. Verlegt wurden Druck- und Fallleitung sowie Rohre mit Absperrschiebern und Feuerlöschhydranten im gesamten Stadtgebiet.

Wenige Tage vor Weihnachten 1933 ist das Wasserwerk der Stadt Grimmen in Betrieb genommen worden. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 14. Januar 1934 statt.

Vor der Entscheidung, Grimmen am Ende des 2. Weltkrieges am 30. April 1945 kampflos an die einmarschierende Russische Armee zu übergeben, bestand von Seiten der NSDAP neben der Absicht, das Marinelager am Steingern zu sprengen und Panzersperren in der Stadt einzurichten auch die Absicht den Wasserturm zu sprengen.

Aus der Ortschronik ( 1967, Bd. 1945-68, S. 10f.) dazu
„… Oberleutnant Hofmann hingegen befaßte sich mit dem teuflischen Plan entgegen den Festlegungen, eigenmächtig Vernichtungsmaßnahmen in Grimmen einzuleiten und durchzuführen. Unmittelbar noch der Beratung begab er sich heimlich in Begleitung einiger noch verbliebener Soldaten aus dem Marinelager die seinen Befehlen noch blindlings folgten, zum Wasserturm, um diesen zu sprengen. Um die vorbereiteten Sprengladungen gegenüber den Menschen zu verbergen, waren sie als normale Päckchen getarnt worden. Diese verbrecherische Absicht wurde vom Leiter des Wasserwerkes, Johann Bitter, bemerkt als bereits ein Sprengloch an der Eingangstür des Wasserturmes angelegt worden war… Bitter redete… so lange auf den verbohrten Oberleutnant ein bis dieser, offensichtlich auch in Anbetracht des bevorstehenden Einmarsches der sowjetischen Truppen immer nervöser und unsicherer geworden, von der Sprengung des Wasserturmes Abstand nahm und die bereits ausgelegten Sprengsätze fortschaffen ließ …“

Die Wasserversorgungsanlage in Grimmen genügte bald nicht mehr den hiesigen Bedürfnissen. Durch die Gründung des VEB Erdöl-Erdgas-Grimmen (1961) waren zusätzliche Arbeitskräfte in die Stadt gekommen, und die Bevölkerung war stark angewachsen. So wurde 1963 ein neues Wasserwerk in Betrieb genommen. Der Wasserturm war schon zuvor still gelegt worden. Lange Zeit stand der Turm ungenutzt da. Das Gelände rings herum verwilderte zusehends. Das verwitterte Kupferblechdach zerfiel. 1972 fand eine Feuerwehrübung im Turm statt. Ebenfalls in den 70er Jahren wurde vom VEB Erdöl-Erdgas-Grimmen der Wasserkessel zur Schrott­gewin­nung ausgebaut.

In dem fast 30jährigen Ruinendasein gab es eine Reihe Pläne, das ansehnliche mit schönen Klinkern aus der Produktion der alten Grimmener Ziegelei erbaute Gebäude einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen, so z.B. ein Café mit Aussichtsplattform einzurichten oder ein Museum. Anfang 1986 wurde dann vom Bürgermeister der Stadt der Auftrag zur „Erarbeitung einer Aufgabenstellung für den Ausbau des Wasserturmes“ erteilt. Mit Hilfe vieler ortsansässiger Betriebe wurde bis 1989 eine neue Dachkonstruktion realisiert. Eine Aussichtsplattform entstand, die komplett verglast war und abends beleuchtet wurde. Begonnen wurde mit der baulichen Vorbereitung von „Klubräumen für Mehrfachzwecke der Betriebe und Einrichtungen der Stadt Grimmen“.

Mit der politischen Wende in der DDR war das Projekt gestorben. Im Laufe der Zeit wurden die bereits eingebauten Nachtspeicheröfen in anderen Einrichtungen aufgestellt. Tauben nisteten in den Etagen, weil Fensterscheiben zerschlagen waren, der Turm musste fest verschlossen werden, um weiterem Demolieren vorzubeugen.

Nachdem es 1997 Absichten gab den Wasserturm und das dazugehörige Grundstück für „eine symbolische Mark“ an Investoren zu verkaufen engagierten sich die Mitglieder des Vereins Wirtschaftsförderung Region Grimmen e.V. und forcierten die Sanierung des Turmes unter Federführung der Stadt.

Als die Gesamtfinanzierung des Vorhabens aus Mitteln der Städtebauförderung abgesichert war, begannen im November 2001 die Bauarbeiten die das gesamte Außengelände und den Turm selbst einschlossen.

Am 28. September 2002 erfolgte die Einweihung und Übergabe des Objektes zur Nutzung.

"Archäologische Grabungen am Wasserturm"

Wasserturm mit mittelalterlichem Mauerrest Künstlerbank - Kunst zum Sitzen (September 2002) vor dem Wasserturm - Ergebnis eines Holzbildhauersymposiums in der SOS-Dorfgemeinschaft und der Stadt zur Eröffnung des Wasserturmes als Kulturstätte geschenkt.

Als die Stadt Grimmen die Sanierung des 1933 gebauten Wasserturmes plante, wurde gemäß der gesetzlichen Verpflichtung das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern in die Arbeiten mit einbezogen, denn der Hügel, auf dem der Turm steht, hat einen hohen Stellenwert als BODENDENKMAL.

Im äußersten Osten der Stadt lag nämlich seit der Zeit um 1300 ein befestigter HOF DES LANDESHERRN.

Erstmals erwähnt wird das “Schloss”, auch als Ritterhaus oder Fürstliches Haus bezeichnet, in einer Urkunde vom 18. Oktober 1306.

Darin verschreibt Fürst WIZLAW III. von RüGEN dem Grafen Nikolaus zu Schwerin “..für alle aus ihm geleisteten Diensten etwa erwachsenden Schäden auf den Fall seines unbeerbten Abscheidens die SCHLöSSER und Länder Tribsees und GRIMMEN, solche bis zur erlangten Befriedigung zu besitzen…”

1462 flüchtete SWANTIBOR V., Rektor an der Greifswalder Universität, auf das Schloss in Grimmen zu seinem Vater Wartislaw X. weil es ihm in Greifswald zu unsicher war.

Das spricht für den guten Zustand der Burganlage in Grimmen zu dieser Zeit.

Bürgermeister Flitner und die Hexe Kröger, die er verbrennen ließ - Keramik von Frau Krüger Kunst auf dem Weg nach Oben

Über die Ausdehnung und das Aussehen des landesherrlichen Hofes ist nur wenig bekannt.

Einige bildliche Darstellungen, so die Zeichnung aus der Stralsunder Bilderhandschrift (1611), die Stadtansicht aus der Lubinschen Karte (1611), die Stadtansicht aus Merians Topographie (1652), die Karte von Grimmen aus der Schwedischen Matrikel (1697) vermitteln uns einen Eindruck von der Gestalt zumindest einiger Gebäude , die auf (in) und dicht neben dem Hügel gestanden haben.

In der schriftlichen überlieferung wird unterschieden zwischen dem “Schloss” und dem Schlossturm, auch “großer Thurm” oder “Fangeturm” genannt.

Berichtet wird auch, dass das “Ritterhaus” und der “große Thurm” nach außen mit einer Mauer umgeben waren, zur Stadtseite jedoch mit einem “Holtzwerck” (um 1630).

Das “Fürstliche Haus” (Schloss) brannte wohl 1637 nieder, der Turm stand noch länger.

Am 12. Juni 1697 berichtet Bürgermeister J. Flitner auf diesbezügliche Fragen der Schweden unter

“ad 21. … befindet sich alhie nichts alß Ein alter Eckichter turm ins gevirte, der so tieff auß der Erden auffgeführet als er darüber stehet, in der Rinckmauren, nicht weit vom Greyffswaldischen thore, wirdt genannt der Fangeturm. das dabey gestandene Ritterhaus ist vor etlichen Jahren und vor wenigen Wochen die so genante Landreyterei heruntergefallen…”

1734 war der Turm zu einer Ruine verfallen. In der Karte aus dem Schwedischen Pommernatlas (1760) ist auch er nicht mehr eingezeichnet.

Das Interesse daran, herauszufinden, was sich unter dem Hügel und dem gesamten Areal nun wirklich verbirgt, hatten schon andere vor uns.

So führte Carl Coppius 1876, 1877 und 1886 schon einmal “privat “ Grabungen durch und hat, wie er in seiner Stadtchronik schreibt:

”… den Berg durch zufällige Nachgrabungen untersuchte. Derselbe besteht aus aufgeplätteten gelben Lehmsand, welcher von einer mächtigen Fundamentmauer aus Felsen umgeben ist. Auf ihrer Plattform liegt ungefähr bis 1 1/2 Fuß Muttererde. An einigen Stellen liegt viel Mauerkalk?, ältere Dachziegel - Mönch und Nonne - mit Holzkohle vermischt..”

Eine wirklich beeindruckende Aussicht über die Stadt Rapsfelder im Juni. Wenn man im späten Frühjahr über die Felder ins Land schaut, dann leuchtet überall das pommersche Gold - der Raps - und wer mal an einem Rapsfeld stand, der wird den betörenden Honigduft nie vergessen.

In Zusammenhang mit den Fundamentarbeiten zum Wasserturmbau 1933 schreibt Walther Koß, 1930 - 38 Mitarbeiter bei der Grimmener Kreis-Zeitung und seit 1940 ehrenamtlicher Archivpfleger und Heimatgeschichtsforscher, dass “handgestrichene Ziegelsteine im sogenannten Klosterformat und Dachziegel, die der städtischen Ziegelei entstammen mögen, die sich bereits im frühen Mittelalter vor dem Greifswalder Tor befand, …verbrannte Holzstücke, …Tierknochen und… mittelalterliche Tonscherben…” gefunden wurden.

Außerdem entdeckte man Mauerreste, die aus einem etwa 1,5 m langen Mauerstück bestanden, “ an das sich nach Süden ein gotischer Torbogen anschließt, …und ein aus Feldsteinen gesetztes Fundament…” - von nun an, ist davon die Rede, dass sich unter dem Wasserturm das “alte Greifswalder Tor” befindet.

Was ergaben nun die jüngsten archäologischen Grabungen, die in zwei Kampagnen (Oktober - Dezember 2001 und Januar - Mai 2002) durchgeführt wurden ?

Es konnten mittelalterliche Fundamentreste der ehemaligen Fürstenresidenz freigelegt werden.

  1. Nördlich des “Zollhauses” wurde die Nordostecke eines Feldsteinfundamentes, das im 14./15.Jahrhundert entstand und für ein mehrgeschossiges Gebäude ausgelegt ist, sichtbar. Es könnte sich hierbei um das Fundament des “Fürstlichen Hauses” handeln. Das Haus hatte einen beheizbaren Raum, die Pflasterung aus Backsteinen und unterschiedlich glasierte Kacheln wurden gefunden.
  2. Das nördlich des Wasserturmes im Boden in geringer Dicke erhaltene Feldsteinfundament ist so ausgelegt, dass darauf entweder der Anbau an ein Hauptgebäude oder die Zwischenwand eines großen Gebäudes gestanden haben könnte.
  3. Südlich des Wasserturmes wurde ein Teil eines Torbogenansatzes aus dem 15. Jahrhundert freigelegt.
    Hier liegt also ein altes aus Backsteinen gemauertes Tor im Boden.
    Es wurde aber erst im 15. Jahrhundert gebaut und ist damit etwa 100 Jahre jünger als das Greifswalder Tor, kann also nicht, wie in der Vergangenheit vermutet, dessen Vorgänger sein.
    Zu unterscheiden ist zwischen der Stadtbefestigung einerseits ( mit den drei Toren, der Mauer, dem Wall usw. ) und der Landesherrlichen Burgbefestigung.
    Interessant ist hier auch die Tatsache, dass die Stadt Grimmen noch 1933 das Gelände für den Wasserturm vom Staat kaufen musste, was bestätigt, dass hier “anderes Territorium betreten wurde”.
    Das mittelalterliche Tor, von dem jetzt eine Seite des Bogenansatzes gefunden wurde, bildete somit den Eingang zum Gelände des Landesherrn, nicht den Eingang zur Stadt.
    Auf der Schwedenmatrikelkarte von Grimmen (1697) kann man beide Tore nebeneinander abgebildet sehen.
  4. Gleichfalls freigelegt werden konnten Fundamentreste der Stadtmauer, deren obertägig erhaltenes Stück zu besichtigen ist.
  5. Nördlich des “Zollhauses” stieß man bei den Ausschachtungsarbeiten für die Feuerwehrzufahrt zum Wasserturm auf die Reste von fünf mittelalterlichen Bestattungen in Holzsärgen.
  6. Innerhalb des Fundamentes am “Zollhaus “ lagen 56 Luftgewehre, die in Zusammenhang mit dessen Nutzung als GST-Stützpunkt stehen müssen.
  7. Insgesamt wurden 14.314 Einzelfunde bei den Grabungen geborgen, darunter auch 3.229 Keramikscherben, die als Abfall einer Töpferei identifiziert wurden und verschiedenen Gefäßen, die beim Brand kaputt gegangen waren, entstammen (Grapen, Bräter, Krüge, Kannen ).
  8. Besonders hervorzuheben und in der Ausstellung präsent sind:

Die Ausstellung entstand als vorläufiges Ergebnis der Grabungen unter Federführung der leitenden Archäologin Marlies Konze. Wir wollen damit den Besuchern erste Antworten geben, die, wie immer viele neue Fragen aufwerfen. Zur weiterführenden Interpretation der Geschichte “unserer Fürstenresidenz” werden Historiker und Mittelalterspezialisten ihren Beitrag leisten können.

Zusammenstellung: Museum “Im Mühlentor” Grimmen und Archäologin Frau Marlies Konze